Frauen und Geld: Warum ich über Zahlen sprechen will

Nach einem Termin blieb eine Frau sitzen, bis wir alleine waren. Dann sagte sie den Satz, den ich immer wieder höre: „Ich weiß gar nicht, was ich am Ende wirklich verdiene.” Sie führt ihr Unternehmen seit sechs Jahren. Der Umsatz stimmt. Die Zahl dahinter hatte sie nie gerechnet.

Frauen und Geld, das ist ein Thema mit vielen Ratgebern und wenigen ehrlichen Gesprächen. Die ehrlichen finden unter vier Augen statt, nach Veranstaltungen, am Rand von Netzwerktreffen, in meinen Beratungen. Genau das ändere ich jetzt. Ab September läuft meine Interview-Serie „Kontostand: weiblich”, und ich suche dafür Frauen, die über ihre Zahlen sprechen.

Frauen und Geld: Über Zahlen spricht frau nicht. Das kostet.

Schweigen über Geld wirkt harmlos, weil es niemandem sofort wehtut. Der Mechanismus dahinter ist trotzdem eindeutig: Wer nicht spricht, vergleicht nicht. Wer nicht vergleicht, verhandelt nicht. Wer nicht verhandelt, korrigiert auch nichts.

Die Folgen lassen sich messen. Der Gender Pay Gap lag 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes unverändert bei 16 Prozent. Beim Gender Gap Arbeitsmarkt, der zusätzlich Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung einbezieht, sind es 37 Prozent. Diese Differenz wirkt nicht nur im laufenden Monat. Sie wirkt in jedem Rentenpunkt, in jeder Rücklage und in jeder Entscheidung, die Geld voraussetzt.

Bei Selbstständigen sieht die Sache anders aus und endet doch an derselben Stelle. Es gibt keine Gehaltstabelle, an der sich jemand orientieren könnte. Preise entstehen aus Bauchgefühl und aus dem, was die Kollegin nebenan angeblich nimmt. Rücklagen für Steuern werden gebildet, wenn Geld übrig ist, statt wenn Umsatz eingeht. Die erste Nachzahlung trifft dann auf ein Konto, das für andere Zwecke verplant war.

Ich habe in den letzten Jahren viele solcher Situationen gesehen. Eine Gründerin, deren Belege acht Monate lang in einer Schuhschachtel lagen. Eine Angestellte, die nach der Elternzeit zum ersten Mal ihre Renteninformation geöffnet hat. Eine Frau, die nach der Trennung ausgerechnet hat, was ihr Leben im Monat wirklich kostet. In allen drei Fällen war der Wendepunkt kein großer Entschluss, sondern ein einzelner Moment, in dem eine Zahl sichtbar wurde.

Was „Kontostand: weiblich” ist

„Kontostand: weiblich” ist eine monatliche Interview-Serie über Frauen und Geld. Jede Folge dauert rund 25 Minuten. Eine Frau erzählt ihre Geschichte mit Geld, ich ordne die Zahlen dahinter fachlich ein. Die erste Folge erscheint im September, danach jeweils am vierten Donnerstag im Monat auf YouTube und LinkedIn.

Der Aufbau ist in jeder Folge gleich. Zuerst die Ausgangslage: Wie sah es aus, bevor sich etwas geändert hat. Dann der Wendepunkt: Was hat den Anstoß gegeben. Danach der Weg: Was hat die Gästin konkret getan, mit welchen Werkzeugen, in welcher Reihenfolge. Am Ende zwei fachliche Punkte von mir, die sich übertragen lassen.

Was die Serie ausdrücklich nicht ist: ein Format über Geldanlage. Aktien, Depots, Fonds und Rendite kommen nicht vor. Ich bleibe bei dem, was ich fachlich vertrete, und das sind Zahlen, Struktur und der Umgang mit Geld im Alltag.

Worüber wir sprechen: Frauen und Geld im Business und im Privaten

Frauen und Geld hat zwei Seiten, und beide bekommen gleich viel Platz. Die Hälfte der Folgen spielt im eigenen Business, die andere Hälfte im Privaten. Diese Aufteilung ist bewusst gewählt, weil beide Seiten dieselben Muster zeigen und sich die Erfahrungen gegenseitig übersetzen lassen.

  • Zahlen im Business: Wie Belege ins System kommen, wer wann Rechnungen schreibt, was bei Zahlungsverzug passiert, wie hoch die Rücklagen sind und ob sich die Unternehmerin ein festes Gehalt zahlt.
  • Der Anfang und seine Stolpersteine: Die erste Rechnung, die erste Steuererklärung, die erste Nachzahlung, mit der niemand gerechnet hat, und die Frage nach dem angemessenen Preis.
  • Umgang mit dem eigenen Geld: Was das Leben im Monat kostet, welche Verträge noch laufen, wo die Unterlagen liegen und wann zuletzt jemand hineingesehen hat.
  • Absicherung und Vorsorge: Rentenlücke, Berufsunfähigkeit, fehlende Vollmachten und die Papiere, die in den meisten Haushalten fehlen.
  • Finanzielle Eigenständigkeit: Gehaltsverhandlung, Geld in der Partnerschaft, das erste eigene Konto nach Jahren gemeinsamer Kasse, Ordnung nach einer Trennung oder einer Erbschaft.

In jeder Folge kommt der Wendepunkt vor. Er ist der eigentliche Kern der Serie, weil er zeigt, dass Veränderung selten mit einem Plan beginnt. Sie beginnt mit einem Ärgernis, einem Schreck oder einem Brief.

Wie du Gästin wirst

Für die Serie über Frauen und Geld passt du, wenn du einen Moment benennen kannst, ab dem du es anders gemacht hast. Selbstständig, angestellt, in Gründung, in Elternzeit, in Rente oder im Wiedereinstieg spielt keine Rolle, und die Höhe der Beträge ebenso wenig. Wer seine Belege endlich wöchentlich sortiert oder drei überflüssige Verträge gekündigt hat, erzählt oft die hilfreichere Geschichte als jemand mit sechsstelligem Umsatz.

Der Ablauf in fünf Schritten:

  1. Du bewirbst dich über das Formular auf meiner Seite. Zehn Minuten Zeit reichen.
  2. Wir telefonieren fünfzehn Minuten, damit wir beide ein Gefühl bekommen. Danach entscheidest du in Ruhe.
  3. Wir nehmen auf, dreißig bis vierzig Minuten per Video, von deinem Schreibtisch aus. Ein Laptop mit Kamera genügt.
  4. Du gibst frei. Du siehst die fertige Folge vor der Veröffentlichung und sagst mir, was heraus soll.
  5. Die Folge geht online, und du bekommst alle Dateien und Links, um sie selbst zu nutzen.

Dazu gehört ein Beitrag auf diesem Blog. Du kannst ihn selbst schreiben, mit deinem Namen, deinem Foto und einem Link auf deine Seite. Oder ich baue ihn aus unserem Interview und du liest ihn gegen, bevor er erscheint. Beides ist freiwillig.

Bewerben kannst du dich ab sofort, einen festen Einsendeschluss gibt es nicht. Wenn du dabei sein möchtest, findest du alle Angaben und das Formular hier: Kontostand: weiblich, Bewerbung als Interviewgästin.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Serie „Kontostand: weiblich”?

Die Serie behandelt Zahlen und den Umgang mit Geld, zur einen Hälfte im eigenen Unternehmen und zur anderen im Privaten. Jede Folge zeigt eine Frau, ihren Wendepunkt und den Weg danach. Geldanlage, Aktien und Rendite sind ausdrücklich nicht Teil des Formats.

Wer kann sich als Interviewgästin bewerben?

Bewerben kann sich jede Frau, die einen konkreten Wendepunkt im Umgang mit ihren Zahlen benennen kann. Der Erwerbsstatus spielt keine Rolle, Selbstständige und Angestellte sind gleichermaßen willkommen. Auch die Höhe der Beträge ist unerheblich, weil kleine Veränderungen häufig besser übertragbar sind.

Muss ich im Interview konkrete Beträge nennen?

Nein. Zahlen machen eine Geschichte greifbarer, du entscheidest aber selbst, welche du nennst. Im Bewerbungsformular gibst du an, wie du dazu stehst, und wir sprechen vor der Aufnahme noch einmal darüber.

Wie lange dauert die Teilnahme insgesamt?

Rechne mit etwa zwei Stunden, verteilt über drei Wochen. Das sind zehn Minuten für die Bewerbung, fünfzehn Minuten für das Vorgespräch, dreißig bis vierzig Minuten für die Aufnahme und die Zeit für die Freigabe des fertigen Schnitts.

Was passiert, wenn mir die fertige Folge nicht gefällt?

Du erhältst den fertigen Schnitt vor der Veröffentlichung und kannst einzelne Stellen streichen lassen. Wenn du die Folge vollständig zurückziehst, wird sie nicht veröffentlicht. Diese Entscheidung liegt allein bei dir.

Wird die Teilnahme vergütet?

Nein. Es fließt in keine Richtung Geld, weder ein Honorar noch eine Teilnahmegebühr. Die Gästin erhält das fertige Video zur eigenen Nutzung sowie einen Beitrag auf diesem Blog mit Verlinkung ihrer Seite.

Was geschieht mit meinen Angaben aus dem Bewerbungsformular?

Die Angaben werden ausschließlich für die Auswahl der Interviewgästinnen genutzt und nach zwölf Monaten gelöscht. Vor jeder Aufnahme wird zusätzlich eine schriftliche Einwilligung zur Veröffentlichung eingeholt, die jederzeit für die Zukunft widerrufen werden kann.

Warum ich das mache

Frauen und Geld ist für mich keine Frage von Interesse oder Begabung. Zahlen sind keine Charakterfrage. Wer seine Finanzen jahrelang nicht angesehen hat, ist deshalb weder faul noch unfähig. Meistens fehlte schlicht ein Anlass, ein Vorbild oder eine Stunde ohne Störung. Genau diese drei Dinge soll die Serie liefern.

Ich arbeite seit Jahren mit Selbstständigen und Unternehmen an Zahlen, Struktur und Entscheidungen. Dabei sehe ich immer wieder denselben Effekt: Sobald eine Frau ihre eigenen Zahlen kennt, verändert sich die Art, wie sie Entscheidungen trifft. Sie diskutiert Preise anders. Sie plant früher. Sie sagt schneller Nein.

Wenn du eine Frau kennst, deren Geschichte hierher gehört, leite ihr diesen Beitrag weiter. Die meisten halten die eigene Geschichte für zu unspektakulär, bis jemand anderes sagt, dass sie es nicht ist.

Weitere interessante Informationen zum Thema findest du in den folgenden Quellen:

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